Oto Rimele: Abstraktes bildnis als malerische Porträtdarstellung des Individuums

6/13 MONIKA / BREZA / BIRCH / BIRKE
Iz cikla Berlinski portreti (1961–1989)
105 x 7 x 3 cm

 

Für das Verständnis der klassischen Porträtdarstellungen in Zeichnungen, Bildern, Fotografien und anderen visuellen Medien gilt, dass ein hochwertiger Künstler nur die unsichtbaren, den Augen verborgenen Eigenschaften der Porträtierenden spürt und darstellt.

Im Zyklus der 13 Bilder Berliner Porträts (1961–89) habe ich die Feststellung realisiert, dass Immaterielles und Spirituelles im Menschen nur durch die Verwendung immaterieller, optisch verborgener malerischer Ausdrucksmittel dargestellt werden kann.

An der Wand, an der die erwähnten Bilder hängen, die auch malerische Objekte genannt werden können, erscheint nämlich die Farbe in ihrer immateriellen Dimension. Als Farbreflex oder als Schatten. Mit diesem Farbreflex von Licht und Schatten male ich die porträtierte Person, ich stelle sie dar, bezeichne und definiere sie. Die Farbe und ihre Intensität im Reflex deuten auf die Eigenschaften von Monika, Werner oder Hans.

 

 

7/13 WALTER / KOSTANJ / CHESTNUT / KASTANIE
Iz cikla Berlinski portreti (1961–1989)
106 x 8 x 3 cm
(Foto: aus dem Archiv des Autors)

Die ausgewählten Namen und der Titel des Projekts vermitteln dem Betrachter, dass ich die völlig abstrakten malerischen Bildnisse mit konkreten Personen bzw. Personennamen, die in Deutschland in den Jahren 1961–1989 häufig vorkamen, verbinden wollte.

Dennoch werden durch die ausgewählten Personennamen trotz ihrer Konkretheit nur imaginäre Individuen gekennzeichnet. Ihre Schicksale definieren die Zeit und den Raum. Daher könnte man sagen, dass dieser Zyklus indirekt auch ein Porträt der Stadt Berlin ist.

Alle dreizehn malerischen Objekte – Porträts sind während meines Aufenthalts in der Künstlerresidenz der Republik Slowenien in Berlin im Oktober 2018 entstanden. Jedes malerische Objekt ist anders und autonom in Proportionen, die durch die Höhe, Breite und Form des Objekts definiert sind.

Der Ausdruck der malerischen Objekte wird neben dem unterschiedlichen Farblicht auch durch die Wahl der jeweiligen Holzart geprägt. Im Zyklus wurden nämlich acht unterschiedliche Holzarten eingesetzt. Somit sind Monika, Walter und Günter eigentlich auch Birke, Kastanie oder Linde.

(In Berlin, 27. Oktober 2018)